Fachinformation

ATC Code / ATC Name Venetoclax
Hersteller AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG
Darreichungsform Filmtabletten
Verkehrsfähig / Vertriebsfähig keine Angabe / keine Angabe
Preis 7 Stück: 208.85€ Weitere Packungsgrößen

Dosierung

  • Aufdosierungsplan
    • Einleitung und Behandlung von einem Arzt mit Erfahrung in der Anwendung von Arzneimitteln zur Behandlung von Krebserkrankungen
    • initial: 20 mg Venetoclax 1mal / Tag über 7 Tage
    • Dosiserhöhung, schrittweise, über einen Zeitraum von 5 Wochen bis zur empfohlenen Tagesdosis von 400 mg
      • Woche 1: 20 mg Venetoclax / Tag
      • Woche 2: 50 mg Venetoclax / Tag
      • Woche 3: 100 mg Venetoclax / Tag
      • Woche 4: 200 mg Venetoclax / Tag
      • Woche 5: 400 mg Venetoclax / Tag
    • Grund der Aufdosierung: schrittweise Verringerung der Tumorlast (Debulking) und des Risikos eines Tumorlysesyndroms (TLS)
  • Venetoclax in Kombination mit Obinutuzumab
    • Anwendung über insgesamt 12 Zyklen, wobei jeder Zyklus 28 Tage umfasst
      • 6 Zyklen in Kombination mit Obinutuzumab
        • Zyklus 1
          • Tag 1: 100 mg Obinutuzumab
          • danach (Tag 1 oder 2): 900 mg Obinutuzumab
          • Tag 8 und 15: 1000 mg Obinutuzumab
        • jeder nachfolgende 28-Tage-Zyklus
          • Tag 1: 1000 mg Obinutuzumab
      • gefolgt von 6 Zyklen mit Venetoclax als Monotherapie
        • Beginn des 5-wöchigen Aufdosierungsschemas für Venetoclax (siehe oben) an Tag 22 des Zyklus 1
          • Fortsetzen bis Tag 28 des Zyklus 2
        • empfohlene Dosis von Venetoclax nach Abschluss des Aufdosierungsschemas
          • Tag 1 des Zyklus 3 von Obinutuzumab bis zum letzten Tag des Zyklus 12: 400 mg Venetoclax 1mal / Tag
  • Dosis nach Aufdosierung bei Kombination mit Rituximab
    • 400 mg Venetoclax 1mal / Tag
    • Anwendung von Rituximab erfolgt, nachdem der Patient das Aufdosierungsschema und die empfohlene Tagesdosis von 400 mg Venetoclax über 7 Tage erhalten hat
    • Anwendungsdauer: 24 Monate ab Tag 1 Zyklus 1 der Rituximab-Gabe
  • Dosis nach Aufdosierung bei Monotherapie
    • 400 mg Venetoclax 1mal / Tag
    • Anwendungsdauer: bis die Erkrankung fortschreitet oder der Patient sie nicht mehr verträgt
  • Vorbeugung eines Tumorlysesyndroms
    • Venetoclax kann zu einer raschen Verkleinerung der Tumorlast führen
    • in der anfänglichen 5-wöchigen Aufdosierungsphase daher Risiko eines Tumorlysesyndroms (TLS)
    • Veränderungen der Elektrolytwerte, die auf ein TLS hindeuten und eine umgehende Behandlung erfordern, können bereits 6 - 8 Stunden nach der ersten Dosis von Venetoclax und bei jeder Dosiserhöhung auftreten
    • Risiko eines TLS besteht fortdauernd und basiert auf mehreren Faktoren, darunter auch Begleiterkrankungen
    • Patienten mit einer hohen Tumorlast (z. B. Lymphknoten mit >/= 5 cm Durchmesser oder hohe absolute Lymphozytenzahl [absolute lymphocyte count, ALC >/= 25 × 109 / l]) : erhöhtes TLS-Risiko bei Einleitung einer Behandlung
    • Risiko steigt im Falle einer eingeschränkten Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance [CrCl] < 80 ml / min) noch weiter
    • Risiko sinkt, wenn die Tumorlast unter Behandlung mit Venetoclax abnimmt
    • vor Einleitung der Behandlung: Beurteilung der Tumorlast einschließlich einer radiologischen Untersuchung (z. B. mittels CT) bei allen Patienten
    • Laborchemische Blutuntersuchungen (Kalium, Harnsäure, Phosphat, Kalzium und Kreatinin) durchführen und vorbestehende Auffälligkeiten entsprechend beheben
    • zur Prophylaxe unten stehende Maßnahmen befolgen; falls Gesamtrisiko steigt, Maßnahmen intensivieren
    • Flüssigkeitszufuhr
      • zur Minimierung des TLS-Risikos, ausreichende Hydratation während der Aufdosierungsphase
      • ab 2 Tage vor, und während der gesamten Aufdosierungsphase, täglich reichlich Wasser trinken
      • insbesondere an den 2 Tagen vor und am Tag der ersten Dosisgabe sowie bei jeder nachfolgenden Dosiserhöhung täglich 1,5 - 2 l Wasser trinken
      • je nach Risiko eines TLS oder bei Patienten, bei denen durch orale Aufnahme kein ausreichendes Flüssigkeitsniveau aufrechterhalten werden kann: Hydratisierung i.v.
    • Harnsäuresenkende Arzneimittel
      • Patienten mit hohem Harnsäurespiegel oder Risiko eines TLS: 2 - 3 Tage vor Behandlungsbeginn mit Venetoclax harnsäuresenkende Arzneimittel verabreichen
      • Behandlung kann während der Aufdosierungsphase fortgesetzt werden
    • Laboruntersuchungen
      • vor der ersten Dosisgabe: Beurteilung der Nierenfunktion und Behandlung entsprechender Auffälligkeiten
      • vor jeder nachfolgenden Dosiserhöhung: erneute laborchemische Blutuntersuchungen während der Titrationsphase
      • nach Dosisgabe: bei Patienten mit TLS-Risiko Werte der laborchemischen Blutuntersuchungen 6 - 8 Stunden sowie 24 Stunden nach der ersten Dosis von Venetoclax kontrollieren
      • bei auffälligen Elektrolytwerten umgehend entsprechende Behandlung einleiten
      • Verabreichung der nächsten Dosis von Venetoclax erst nach Auswertung der 24-Stunden-Werte der laborchemischen Blutuntersuchungen
      • bei der 50-mg-Dosis und bei Patienten, die bei nachfolgenden Dosiserhöhungen weiterhin ein Risiko aufweisen, denselben Überwachungsplan befolgen
    • Hospitalisierung
      • bei einigen Patienten kann am Tag der ersten Dosisgabe von Venetoclax eine Hospitalisierung erforderlich sein, um eine intensivere Prophylaxe und Überwachung in den ersten 24 Stunden sicherzustellen
      • Hospitalisierung bei nachfolgenden Dosiserhöhungen auf der Basis einer erneuten Risikobeurteilung in Betracht ziehen
    • Dosisanpassungen bei einem Tumorlysesyndrom
      • bei veränderten Werte bei laborchemischen Blutuntersuchungen mit Hinweis auf ein TLS
        • am nächsten Tag keine Dosis von Venetoclax verabreichen
        • bilden sich diese innerhalb von 24 - 48 Stunden nach der letzten Dosis zurück, Behandlung mit derselben Dosierung wieder aufnehmen
      • bei klinischen TLS-Fällen oder Veränderungen der laborchemischen Blutwerte, bei denen die Normalisierung länger als 48 Stunden dauert: Behandlung mit einer geringeren Dosierung wieder aufnehmen (s.u.)
      • bei Wiederaufnahme der wegen eines TLS unterbrochenen Behandlung: Anweisungen zur Vorbeugung eines Tumorlysesyndroms befolgen
  • Dosisanpassungen bei anderen Toxizitäten
    • nicht hämatologische Toxizität vom Grad 3 oder 4, Neutropenie vom Grad 3 oder 4 mit Infektion oder Fieber oder hämatologische Toxizität vom Grad 4 mit Ausnahme von Lymphopenie: Behandlung absetzen
    • sobald die Toxizität auf Grad 1 oder den Basiswert (Normalisierung) gesenkt wurde: Behandlung mit Venetoclax mit derselben Dosierung wieder aufnehmen
    • bei erneutem Auftreten von Toxizität und allen nachfolgenden Fällen von Toxizität: Empfehlungen zur Dosissenkung s.u. befolgen, wenn die Behandlung mit Venclyxto nach der Normalisierung wieder aufgenommen wird
    • nach Ermessen des Arztes ggf. auch stärkere Dosissenkung
    • Patienten, bei denen eine Dosissenkung < 100 mg über > 2 Wochen erforderlich ist: Abbruch der Behandlung in Betracht ziehen
  • Dosisanpassung aufgrund von TLS und anderen Toxizitäten
    • Dosis bei Behandlungsunterbrechung: 400 mg
      • Dosis bei Behandlungswiederaufnahme: 300 mg
    • Dosis bei Behandlungsunterbrechung: 300 mg
      • Dosis bei Behandlungswiederaufnahme: 200 mg
    • Dosis bei Behandlungsunterbrechung: 200 mg
      • Dosis bei Behandlungswiederaufnahme: 100 mg
    • Dosis bei Behandlungsunterbrechung: 100 mg
      • Dosis bei Behandlungswiederaufnahme: 50 mg
    • Dosis bei Behandlungsunterbrechung: 50 mg
      • Dosis bei Behandlungswiederaufnahme: 20 mg
    • Dosis bei Behandlungsunterbrechung: 20 mg
      • Dosis bei Behandlungswiederaufnahme: 10 mg
    • angepasste Dosis für 1 Woche beibehalten, bevor sie erhöht wird
    • Patienten, bei denen die Behandlung während der ersten 5 Wochen der Aufdosierungsphase länger als 1 Woche bzw. nach Abschluss der Aufdosierungsphase länger als 2 Wochen unterbrochen wurde: TLS-Risiko erneut beurteilen, um zu bestimmen, ob ein erneuter Behandlungsbeginn mit einer verringerten Dosis notwendig ist (z. B. alle oder einige Aufdosierungsschritte; s. o.)
  • Dosisanpassungen bei gleichzeitiger Behandlung mit CYP3A-Inhibitoren
    • gleichzeitige Anwendung mit starken oder mittelstarken CYP3A-Inhibitoren
      • erhöhte Venetoclax-Exposition kann das Risiko eines TLS zu Beginn und während der Aufdosierungsphase und für andere Toxizitäten erhöhen
    • Behandlungsbeginn und Aufdosierungsphase
      • gleichzeitige Anwendung mit starken CYP3A-Inhibitoren: kontraindiziert
      • gleichzeitige Anwendung mit mittelstarken CYP3A-Inhibitoren vermeiden
      • alternative Behandlungen in Betracht ziehen
      • falls Anwendung eines mittelstarken CYP3A-Inhibitors erforderlich: Einleitungs- und Titrationsdosen von Venetoclax mind. 50 % reduzieren
      • engmaschige Überwachung auf Anzeichen von Toxizitäten
    • nach Beendigung der Aufdosierungsphase
      • Patienten, die eine stabile Tagesdosis von Venetoclax erhalten:
        • gleichzeitige Anwendung von mittelstarken CYP3A-Inhibitoren: 50 % Dosisreduktion
        • gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A-Inhibitoren: 75 % Dosisreduktion
      • engmaschigere Überwachung auf Anzeichen von Toxizitäten
      • möglicherweise muss Dosis weiter angepasst werden
      • 2 - 3 Tage nach Absetzen des Inhibitors wieder dieselbe Dosis von Venetoclax wie vor Beginn der Behandlung mit dem CYP3A-Inhibitor geben
  • Versäumte Einnahme
    • </= 8 seit dem Zeitpunkt der üblichen Einnahme: versäumte Dosis so bald wie möglich am selben Tag nachholen
    • > 8 Stunden seit dem Zeitpunkt der üblichen Einnahme vergangen
      • versäumte Dosis nicht mehr nachholen
      • am folgenden Tag wieder mit der Einnahme gemäß Dosierungsplan fortfahren
  • Erbrechen nach der Einnahme
    • an diesem Tag keine weitere Dosis einnehmen
    • am folgenden Tag mit der nächsten verordneten Dosis zum üblichen Zeitpunkt fortfahren
  • ältere Patienten (>/= 65 Jahre)
    • keine spezifische Dosisanpassung erforderlich
  • Nierenfunktionsstörung
    • leicht - mittelschwere Nierenfunktionsstörung (CrCl >/= 30 ml / min und < 90 ml / min): keine Dosisanpassung erforderlich
    • CrCl < 80 ml / min: intensivere Prophylaxe und Überwachung kann erforderlich sein, um das TLS-Risiko zu Beginn und während der Aufdosierungsphase zu senken
    • schwere Nierenfunktionsstörung (CrCl < 30 ml / min) oder Dialysepatienten
      • Sicherheit nicht erwiesen
      • keine Dosierungsempfehlung festgelegt
      • Anwendung nur, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt
      • Patienten aufgrund eines erhöhten TLS-Risikos engmaschig auf Anzeichen einer Toxizität überwachen
  • Leberfunktionsstörung
    • leichte - mittelschwere Leberfunktionsstörung: keine Dosisanpassung empfohlen
    • mittelschwere Leberfunktionsstörung: Tendenz zu vermehrten unerwünschten Ereignissen beobachtet
      • diese Patienten daher zu Beginn und während der Aufdosierungsphase engmaschiger auf Anzeichen einer Toxizität überwachen
    • schwere Leberfunktionsstörung
      • während der gesamten Therapie eine Dosisreduktion von mindestens 50 % empfohlen
      • diese Patienten engmaschiger auf Anzeichen einer Toxizität überwachen
  • Kinder und Jugendliche < 18 Jahre
    • Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen (keine Daten)
    •  

Indikation

  • in Kombination mit Obinutuzumab zur Behandlung erwachsener Patienten mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL)
  • in Kombination mit Rituximab zur Behandlung erwachsener Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL), die mindestens eine vorherige Therapie erhalten haben
  • Monotherapie bei Erwachsenen zur Behandlung einer CLL
    • die eine 17p-Deletion oder TP53-Mutation aufweisen und die für eine Behandlung mit einem Inhibitor des B-Zell-Rezeptor-Signalwegs nicht geeignet sind oder ein Therapieversagen zeigten
    • die keine 17p-Deletion oder TP53-Mutation aufweisen und bei denen sowohl unter einer Chemoimmuntherapie als auch unter einem Inhibitor des B-Zell- Rezeptor-Signalwegs ein Therapieversagen auftrat

Kontraindikation

Kontraindikation (absolut), Wirkstoffprofil (kumulative Wirkstoffangaben ohne Berücksichtigung des individuellen Zulassungsstatus)

Venetoclax - peroral
  • Überempfindlichkeit gegenüber Venetoclax
  • gleichzeitige Anwendung starker CYP3A-Inhibitoren zu Beginn und während der Aufdosierungsphase
  • geichzeitige Anwendung von Zubereitungen, die Johanniskraut enthalten

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen, wirkstoffbezogen
keine Berücksichtigung des arzneimittelrechtlichen Zulassungsstatus des Präparates bzw. produktspezifischer Angaben

schwerwiegend

Venetoclax /Makrolid-Antibiotika
Venetoclax /HIV-Protease-Inhibitoren
Venetoclax /Azol-Antimykotika
Antineoplastische Mittel /S1P-Modulatoren
Venetoclax /Johanniskraut

mittelschwer

Digitalis-Glykoside /Venetoclax
Calcineurin-Inhibitoren /Venetoclax
Venetoclax /Modafinil
Venetoclax /BCRP- und P-Glykoprotein-Inhibitoren
Dabigatran /Venetoclax
Venetoclax /Rifamycine
Venetoclax /Sternfrucht
Venetoclax /Calcium-Antagonisten, Verapamil und Analoge
Venetoclax /Ciprofloxacin
Cholesterin-Synthese-Hemmer /Venetoclax
Venetoclax /Gallensäure-bindende Mittel
Venetoclax /Citrusfrüchte
Venetoclax /Antiepileptika, enzyminduzierende
Venetoclax /Reverse-Transkriptase-Hemmer, nicht-nukleosidische
Venetoclax /Bosentan

geringfügig

Warfarin /Venetoclax
CYP3A4, 2C- bzw. Pgp-Substrate /Cefiderocol

Zusammensetzung

WVenetoclax50 mg
HCalcium hydrogenphosphat+
HCopovidon K28+
HEisen (II,III) oxid+
HEisen (III) hydroxid oxid x-Wasser+
HEisen (III) oxid+
HMacrogol 3350+
HNatrium stearylfumarat+
HPoly(vinylalkohol)+
HPolysorbat 80+
HSilicium dioxid, hochdispers+
HTalkum+
HTitan dioxid+

W = Wirksamer Bestandteil
H = Hilfsstoff

Risiken

Risiko Rating
Kaliumspiegel B
Rating-Legende:
  1. A) Keine Arzneimittelwirkungen
  2. B) Leichte unerwünschte Arzneimittelwirkungen
  3. C) Mittlere unerwünschte Arzneimittelwirkungen
  4. D) Starke unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Packungsgrößen

Preis und Darreichungsform

Packungsgröße Preis Darreichungsform
7 Stück 208.85 € Filmtabletten
5 Stück 148.49 € Filmtabletten

Rechtlichter Status und Verfügbarkeit

Packungsg. Verkehrsfähig Vertriebsfähig
7 Stück verkehrsfähig im Vertrieb
5 Stück verkehrsfähig außer Vertrieb

Weitere Kapitel

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