Fachinformation

ATC Code / ATC Name Remifentanil
Hersteller Fresenius Kabi Deutschland GmbH
Darreichungsform Trockensubstanz Ohne Loesungsmittel
Verkehrsfähig / Vertriebsfähig keine Angabe / keine Angabe
Preis 5X5 Milligramm: 147.45€ Weitere Packungsgrößen

Dosierung

Basiseinheit: 1 Durchstechflasche enthält 5 mg Remifentanil (als Remifentanilhydrochlorid); nach Zubereitung enthält die Lösung 1 mg/ml Remifentanil (als Remifentanilhydrochlorid)

  • Analgetikum während der Einleitung und/oder Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie
    • Allgemeinanästhesie
      • Gabe von Remifentanil je nach Ansprechen des Patienten individuell
      • Verabreichung per manuell kontrollierter Infusion (MCI)
        • Einleitung der Anästhesie
          • Bolusinjektion:
            • 1 µg / kg KG (über mind. 30 Sek.)
          • kontinuierliche Infusion:
            • Anfangsrate 0,5 - 1 µg / kg KG / Min.
        • Aufrechterhaltung der Narkose bei beatmeten Patienten
          • Lachgas (66%)
            • Bolusinjektion: 0,5 - 1 µg / kg KG
            • kontinuierliche Infusion:
              • Anfangsrate 0,4 µg / kg KG / Min.
              • Bereich: 0,1 - 2 µg / kg KG / Min.
          • Isofluran (Anfangsdosis 0,5 MAC)
            • Bolusinjektion: 0,5 - 1 µg / kg KG
            • kontinuierliche Infusion:
              • Anfangsrate 0,25 µg / kg KG / Min.
              • Bereich: 0,05 - 2 µg / kg KG / Min.
          • Propofol (Anfangsdosis 100 µg / kg KG / Min.)
            • Bolusinjektion: 0,5 - 1 µg / kg KG
            • kontinuierliche Infusion:
              • Anfangsrate 0,25 µg / kg KG / Min.
              • Bereich: 0,05 - 2 µg / kg KG / Min.
      • Hinweise
        • zur Narkoseeinleitung mittels Bolusinjektion Remifentanil über Zeitraum von mind. 30 Sek. verabreichen
        • in den oben empfohlenen Dosen reduziert Remifentanil die Menge von zur Aufrechterhaltung der Narkose erforderlichen Hypnotika signifikant; daher Isofluran und Propofol wie oben empfohlen geben, um Verstärkung von hämodynamischen Effekten (Hypotonie und Bradykardie) zu vermeiden
        • keine Daten für Dosierungsempfehlungen zur gleichzeitigen Anwendung von Remifentanil mit anderen als den oben aufgeführten Hypnotika vorhanden
      • Einleitung der Narkose
        • Verabreichung mit Hypnotikum wie Propofol, Thiopental oder Isofluran
        • Verabreichung von Remifentanil im Anschluss an Hypnotikum reduziert Auftreten von Muskelrigidität
        • Gabe von Remifentanil mit Infusionsrate von 0,5 - 1 µg/kg KG/Min. mit oder ohne initiale Bolusinjektion (1 µg/kg KG über einen Zeitraum von mind. 30 Sek.) möglich
        • keine Bolusinjektion erforderlich, wenn endotracheale Intubation später als 8 - 10 Min. nach Beginn der Remifentanil-Infusion erfolgen soll
      • Aufrechterhaltung der Narkose bei beatmeten Patienten
        • nach endotrachealer Intubation Infusionsrate von Remifentanil entsprechend dem obigen aufgeführten Narkoseverfahren reduzieren
        • aufgrund des raschen Wirkungseintritts und der kurzen Wirkdauer von Remifentanil kann Infusionsrate während Narkose alle 2 bis 5 Min. um 25 - 100% nach oben bzw. um 25 - 50% nach unten angepasst werden, um gewünschte Aktivität am µ-Opioid-Rezeptor zu erzielen
        • als Gegenmaßnahme bei zu flacher Narkose alle 2 bis 5 Min. zusätzliche Bolusinjektion möglich
      • Narkose bei spontan atmenden Patienten (z.B. Anästhesie mittels Larynxmaske)
        • bei Patienten mit gesichertem Atemweg ist Auftreten einer Atemdepression wahrscheinlich; deswegen besondere Aufmerksamkeit in Bezug auf respiratorische Einschränkungen evtl. in Kombination mit Muskelrigidität erforderlich
        • besonders sorgfältige Adaptation der Dosierung an Bedürfnisse des Patienten erforderlich; künstliche Beatmung kann erforderlich sein
        • für ergänzende Analgesie bei spontan atmenden, anästhesierten Patienten als Anfangsinfusionsrate 0,04 µg/kg KG/Min. empfohlen, die dann entsprechend den Erfordernissen eingestellt wird
        • Dosierungsraten von 0,025 - 0,1 µg/kg KG/Min. wurden untersucht
        • Bolusinjektionen bei spontan atmenden anästhesierten Patienten nicht empfohlen
        • Remifentanil bei Eingriffen, bei denen Patienten bei Bewusstsein bleiben oder bei denen der Atemweg nicht gesichert ist, nicht als Analgetikum verwenden
      • Begleitmedikation
        • Remifentanil verringert die für die Anästhesie benötigten Dosen von Inhalationsanästhetika, Hypnotika und Benzodiazepinen
        • bei gleichzeitiger Anwendung mit Remifentanil wurden Dosen von Isofluran, Thiopental, Propofol und Temazepam um bis zu 75% reduziert
      • Hinweise für Absetzen/Fortführen in der unmittelbaren postoperativen Periode
        • innerhalb von 5 - 10 Minuten nach Absetzen keine Opioid-Wirkung mehr vorhanden (sehr rasches Abklingen der Wirkung); daher bei Patienten, bei denen postoperative Schmerzen zu erwarten sind, vor Absetzen von Remifentanil andere Analgetika verabreichen
        • für Erreichen der maximalen Wirkung eines länger wirksamen Analgetikums ausreichend langen Zeitraum vorsehen; hierbei Wahl des Analgetikums dem chirurgischen Eingriff sowie dem Ausmaß der notwendigen postoperativen Versorgung des Patienten anpassen
        • falls das länger wirksame Analgetikum vor Ende einer Operation noch nicht entsprechende Wirkung erzielt, Remifentanil zur Aufrechterhaltung der Analgesie während der unmittelbaren postoperativen Periode weiterhin verabreichen, bis länger wirksames Analgetikum seine maximale Wirkung erreicht hat
        • bei spontan atmenden Patienten kann anfängliche Infusionsrate von Remifentanil auf 0,1 µg/kg KG/Min. reduziert werden; Infusionsrate dann alle 5 Min. in Stufen von 0,025 µg/kg KG/Min. steigern oder verringern, um Ausmaß der Analgesie gegen den Grad der Atemdepression auszubalancieren
        • bei spontan atmenden Patienten Anwendung von Bolusinjektionen zur Schmerzbehandlung während der postoperativen Periode nicht empfohlen
      • Verabreichung per Target-controlled Infusion (TCI)
        • Einleitung und Aufrechterhaltung der Narkose bei beatmeten Patienten
          • Einsatz einer TCI zusammen mit intravenösem oder inhalativem Hypnotikum (siehe oben unter „Verabreichung per manuell-kontrollierter Infusion")
          • üblicherweise zusammen mit diesen Substanzen ausreichende Analgesie mit Remifentanil-Ziel-Blutkonzentrationen von 3 - 8 ng/ml
          • Remifentanil entsprechend des individuellen Patientenbedarfs titrieren
          • für außergewöhnlich schmerzhafte operative Eingriffe evtl. Ziel-Blutkonzentrationen bis 15 ng/ml nötig
          • in oben empfohlenen Dosen reduziert Remifentanil Menge der zur Aufrechterhaltung der Narkose erforderlichen Hypnotika signifikant; daher Isofluran und Propofol wie oben empfohlen geben, um Verstärkung von hämodynamischen Effekten (Hypotonie und Bradykardie) durch Remifentanil zu vermeiden (siehe oben unter „Verabreichung per manuell-kontrollierter Infusion")
          • Vergleich Remifentanil-Blutkonzentrationen bei TCI-Verabreichung mit verschiedenen Infusionsraten einer manuell-kontrollierten Verabreichung im steady state (geschätzte Remifentanil-Blutkonzentrationen (ng/ml) basierend auf Pharmakokinetischen Modell nach Minto (1997) bei einem 40-jährigen, männlichen Patienten (70 kg, 170 cm) und korrespondierende Infusionsraten (µg/kg KG/Min.) bei manuell-kontrollierter Verabreichung im steady state
            • Remifentanil Infusionrate: 0,05 µg/kg KG/Min.
              • Remifentanil Blutkonzentration: 1,3 ng/ml
            • Remifentanil Infusionrate: 0,10 µg/kg KG/Min.
              • Remifentanil Blutkonzentration: 2,6 ng/ml
            • Remifentanil Infusionrate: 0,25 µg/kg KG/Min.
              • Remifentanil Blutkonzentration: 6,3 ng/ml
            • Remifentanil Infusionrate: 0,40 µg/kg KG/Min.
              • Remifentanil Blutkonzentration: 10,4 ng/ml
            • Remifentanil Infusionrate: 0,5 µg/kg KG/Min.
              • Remifentanil Blutkonzentration: 12,6 ng/ml
            • Remifentanil Infusionrate: 1,0 µg/kg KG/Min.
              • Remifentanil Blutkonzentration: 25,2 ng/ml
            • Remifentanil Infusionrate: 2,0 µg/kg KG/Min.
              • Remifentanil Blutkonzentration: 50,5 ng/ml
          • TCI bei spontan atmenden Patienten nicht empfohlen (keine ausreichenden Daten vorhanden)
        • Hinweise für Absetzen/Fortführen in der unmittelbaren postoperativen Periode
          • wenn TCI-Verabreichung gestoppt oder Zielkonzentration verringert wird, stellt sich Spontanatmung normalerweise bei kalkulierten Remifentanilkonzentrationen im Bereich von 1 bis 2 ng/ml wieder ein
          • postoperative Schmerzbehandlung durch länger wirksame Analgetika vor Ende der Operation sicherstellen (siehe auch Hinweise für Absetzen/Fortführen von Remifentanil unter „Verabreichung per manuell-kontrollierter Infusion" im Abschnitt oben)
          • TCI für postoperative Analgesie nicht empfohlen (keine ausreichenden Daten vorhanden)
      • Kinder (1 bis 12 Jahre)
        • Anwendung zusammen mit Arzneimitteln zur Einleitung der Anästhesie nicht untersucht
        • Anwendung von Remifentanil für die Einleitung der Anästhesie per TCI nicht empfohlen (keine Daten für diese Patientengruppe vorhanden)
        • Aufrechterhaltung der Anästhesie
          • Anästhetische Begleitmedikation: Halothan (Anfangsdosis 0,3 MAC), verabreicht mit N2O/O2 im Verhältnis 2:1
            • Bolusinjektion Remifentanil: 1 µg/kg KG
            • kontinuierliche Remifentanil-Infusion
              • Anfangsrate: 0,25 µg/kg KG/Min.
              • Bereich zur Aufrechterhaltung der Narkose: 0,05 - 1,3 µg/kg KG/Min.
          • Anästhetische Begleitmedikation: Sevofluran (Anfangsdosis 0,3 MAC), verabreicht mit N2O/O2 im Verhältnis 2:1
            • Bolusinjektion Remifentanil: 1 µg/kg KG
            • kontinuierliche Remifentanil-Infusion
              • Anfangsrate: 0,25 µg/kg KG/Min.
              • Bereich zur Aufrechterhaltung der Narkose: 0,05 - 0,9 µg/kg KG/Min.
          • Anästhetische Begleitmedikation: Isofluran (Anfangsdosis 0,5 MAC), verabreicht mit N2O/O2 im Verhältnis 2:1
            • Bolusinjektion Remifentanil: 1 µg/kg KG
            • kontinuierliche Remifentanil-Infusion
              • Anfangsrate: 0,25 µg/kg KG/Min.
              • Bereich zur Aufrechterhaltung der Narkose: 0,06 - 0,9 µg/kg KG/Min.
          • bei Verabreichung einer Bolusinjektion sollte sich diese über mind. 30 Sek. erstrecken
          • wurde keine Bolusinjektion gegeben, Operationsbeginn frühestens 5 Min. nach Start der Remifentanil-Infusion
          • für alleinige Verabreichung von Distickstoffmonoxid (70%) und Remifentanil: Infusionsraten zur Aufrechterhaltung der Narkose von 0,4 - 3 µg/kg KG/Min.
          • Daten, die bei der Anwendung bei Erwachsenen gewonnen wurden, lassen vermuten, dass 0,4 µg/kg KG/Min. eine geeignete Anfangsdosis ist, auch wenn dies nicht spezifisch untersucht wurde
          • Kinder sorgfältig überwachen und zu verabreichende Dosis der für die Operation benötigten Narkosetiefe anpassen
        • Begleitmedikation
          • in den oben empfohlenen Dosierungen verringert Remifentanil deutlich die zur Aufrechterhaltung der Anästhesie benötigten Hypnotika-Dosen; daher Isofluran, Halothan und Sevofluran wie oben empfohlen anwenden, um Verstärkung von hämodynamischen Effekten (Hypotonie und Bradykardie) zu vermeiden
          • für Dosierungsempfehlung zur gleichzeitigen Anwendung von Remifentanil mit anderen als den oben aufgeführten Hypnotika liegen keine Daten vor (siehe Abschnitt oben: Verabreichung per manuell kontrollierte Infusion (MCI), „Begleitmedikation")
        • Richtlinien für unmittelbare postoperative Versorgung
          • Einleitung einer alternativen analgetischen Behandlung vor Absetzen von Remifentanil:
            • Aufgrund des raschen Wirkungsverlustes von Remifentanil, innerhalb von 5 - 10 Min. nach Absetzen keine Wirkung mehr vorhanden
            • daher bei Patienten, bei denen postoperative Schmerzen zu erwarten sind, vor Absetzen von Remifentanil Analgetika verabreichen
            • für Erreichen der therapeutischen Wirkung des länger wirksamen Analgetikums ausreichend langer Zeitraum vorsehen
            • Auswahl des/der Arzneimittel, Dosierung und Zeitpunkt der Verabreichung bereits im Voraus planen und dem chirurgischen Eingriff sowie dem zu erwartenden Ausmaß der postoperativen Versorgung individuell anpassen
      • Neugeborene und Säuglinge (jünger als 1 Jahr)
        • pharmakokinetisches Profil von Remifentanil - nach Korrektur der Körpergewichtsunterschiede - mit dem pharmakokinetischen Profil Erwachsener vergleichbar
        • Anwendung jedoch in dieser Altersgruppe nicht empfohlen (keine ausreichenden klinischen Daten vorhanden)
      • Besondere Patientengruppen
        • Dosierungsempfehlungen bei besonderen Patientengruppen (ältere und adipöse Patienten, Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion, Patienten die sich einer neurochirurgischen Operation unterziehen und ASA III/IV Patienten) siehe unten
    • Anwendung in der Herzchirurgie
      • Verabreichung per manuell-kontrollierter Infusion
        • Einleitung der Anästhesie
          • Remifentanil-Bolusinjektion: nicht empfohlen
          • kontinuierliche Remifentanil-Infusion
            • Anfangsrate: 1 µg/kg KG/Min.
        • Aufrechterhaltung der Anästhesie bei beatmeten Patienten
          • Isofluran (Anfangsdosis 0,4 MAC)
            • Remifentanil-Bolusinjektion: 0,5 - 1 µg/kg KG
            • kontinuierliche Remifentanil-Infusion
              • Anfangsrate: 1 µg/kg KG/Min.
              • typische Infusionsraten: 0,003 - 4 µg/kg KG/Min.
          • Propofol (Anfangsdosis 50 µg/kg KG/Min.)
            • Remifentanil-Bolusinjektion: 0,5 - 1 µg/kg KG
            • kontinuierliche Remifentanil-Infusion
              • Anfangsrate: 1 µg/kg KG/Min.
              • typische Infusionsraten: 0,01 - 4,3 µg/kg KG/Min.
        • Fortführen der postoperativen Analgesie vor der Extubation
          • Remifentanil-Bolusinjektion: nicht empfohlen
          • kontinuierliche Remifentanil-Infusion
            • Anfangsrate: 1 µg/kg KG/Min.
            • typische Infusionsraten: 0 - 1 µg/kg KG/Min.
      • Einleitung der Narkose
        • nach Verabreichung eines Hypnotikums zum Erlangen der Bewusstlosigkeit, Anwendung von Remifentanil mit einer initialen Infusionsrate von 1 µg/kg KG/Min.
        • Anwendung einer Remifentanil-Bolusinjektion zur Einleitung der Narkose bei Patienten in der Herzchirurgie nicht empfohlen
        • endotracheale Intubation frühestens 5 Min. nach Beginn der Infusion
      • Aufrechterhaltung der Anästhesie
        • nach endotrachealer Intubation Infusionsrate von Remifentanil auf individuelle Patientenbedürfnisse abstimmen
        • zusätzliche Bolusinjektionen können bei Bedarf verabreicht werden
        • bei Hochrisiko-Herzpatienten, wie z. B. Patienten mit Linksherzinsuffizienz oder Patienten, die sich einer Operation der Herzklappen unterziehen, nur ein Bolus von max. 0,5 µg/kg KG verabreichen
      • Hinweis
        • Dosierungsempfehlungen gelten auch für hypotherme kardiopulmonale Bypass-Operationen
      • Begleitmedikation
        • in den oben empfohlenen Dosierungen verringert Remifentanil deutlich die zur Aufrechterhaltung der Anästhesie benötigten Hypnotika-Dosen
        • daher Isofluran und Propofol nur in den oben angegebenen Dosierungen anwenden, um Verstärkung von hämodynamischen Effekten (Hypotonie und Bradykardie) zu vermeiden
        • für Dosierungsempfehlung zum gleichzeitigen Gebrauch von Remifentanil mit anderen als den oben aufgeführten Hypnotika liegen keine Daten vor (siehe Abschnitt oben: „Verabreichung per manuell kontrollierter Infusion (MCI)", „Begleitmedikation")
      • Postoperative Versorgung des Patienten
        • Postoperatives Fortsetzen der Infusion von Remifentanil, um Analgesie vor Extubation zu gewährleisten
          • am Ende der Operation benutzte Infusionsrate für Remifentanil beibehalten, während der Patient nach der Operation in den Aufwachraum gebracht wird
          • Ausmaß der Analgesie und Sedierung des Patienten sorgfältig überwachen und Infusionsrate von Remifentanil den individuellen Patientenbedürfnissen anpassen (weitere Informationen zur Behandlung von intensivmedizinisch betreuten Patienten siehe unten)
        • Einleitung einer alternativen analgetischen Behandlung vor dem Absetzen von Remifentanil
          • aufgrund des raschen Abklingens der Wirkung von Remifentanil innerhalb von 5 - 10 Min. nach Absetzen keine Opioid-Wirkung mehr vorhanden
          • vor Absetzen von Remifentanil müssen Patienten ausreichend früh alternative Analgetika und Sedativa erhalten, so dass diese Arzneimittel ihre therapeutische Wirkung entfalten können
          • Auswahl des/der Arzneimittel, der Dosierung und des Zeitpunkts der Applikation bereits vornehmen, bevor Patient vom Beatmungsgerät genommen wird
        • Hinweise für Absetzen von Remifentanil
          • Hypertonie, Zittern und Schmerzen unmittelbar nach Absetzen von Remifentantil wurde beobachtet
          • um Risiko des Auftretens dieser Nebenwirkungen zu minimieren, (wie oben beschrieben) ausreichende alternative analgetische Behandlung eingeiten, bevor Remifentantil-Infusion abgesetzt wird
          • Infusionsrate in Intervallen von mind. 10 Min. um 25% reduzieren, bis Infusion abgesetzt wird
          • während Entwöhnung vom Beatmungsgerät Remifentanil-Infusionsrate nicht erhöhen, sondern nur noch ausschleichend dosieren und nach Bedarf mit alternativen Analgetika behandeln
          • hjämodynamische Veränderungen wie Hypertonie und Tachykardie ggf. mit anderen Arzneimitteln behandeln
          • bei Anwendung anderer Opioide im Rahmen der Umstellung auf alternative analgetische Behandlung, muss Patient sorgfältig überwacht werden; immer Nutzen der adäquaten postoperativen Analgesie gegen potentielles Risiko der Atemdepression bei diesen Arzneimitteln abwägen
      • Verabreichung per Target-controlled Infusion (TCI)
        • Einleitung und Aufrechterhaltung der Narkose bei beatmeten Patienten
          • Einsatz von Remifentanil TCI während Einleitung und Aufrechterhaltung der Narkose bei beatmeten, erwachsenen Patienten zusammen mit einem intravenösen oder inhalativen Hypnotikum (siehe „Dosierungsrichtlinien für Anwendung in der kardialen Anästhesie")
          • zusammen mit diesen Substanzen ausreichende Analgesie üblicherweise mit Remifentanil Ziel-Blutkonzentrationen, die dem oberen Bereich der für andere Operationen empfohlenen Ziel-Blutkonzentration entsprechen
          • bei Titration von Remifentanil entsprechend des individuellen Patientenbedarfs wurden Blutkonzentrationen von bis zu 20 ng/ml in klinischen Prüfungen erreicht
          • in den oben empfohlenen Dosen reduziert Remifentanil die Menge der zur Aufrechterhaltung der Narkose erforderlichen Hypnotika signifikant; daher Isofluran und Propofol wie oben empfohlen geben, um Verstärkung von hämodynamischen Effekten wie Hypotonie und Bradykardie zu vermeiden (siehe „Dosierungsrichtlinien für Anwendung in der kardialen Anästhesie" unter „Verabreichung per manuell-kontrollierter Infusion")
        • Hinweise für Absetzen/Fortführen in der unmittelbaren postoperativen Periode
          • am Ende einer Operation, wenn die TCI-Verabreichung gestoppt oder die Zielkonzentration verringert wird, stellt sich die Spontanatmung normalerweise bei kalkulierten Remifentanilkonzentrationen im Bereich von 1 bis 2 ng/ml wieder ein
          • wie bei manuell-kontrollierten Infusion postoperative Schmerzbehandlung durch länger wirksame Analgetika vor Ende der Operation einleiten (siehe „Hinweise für Absetzen von Remifentantil unter „Verabreichung per manuell-kontrollierter Infusion")
          • Anwendung von TCI für postoperative Analgesie nicht empfohlen (keine ausreichenden Daten vorhanden)
  • Analgesie von künstlich beatmeten intensivmedizinisch betreuten Patienten ab 18 Jahren
    • falls erforderlich zusätzliche Verabreichung sedierender Arzneimittel
    • klinische Studien mit Anwendung von bis zu drei Tagen vorhanden; Unbedenklichkeit und Wirksamkeit einer längeren Behandlung nicht nachgewiesen; daher Behandlungsdauer > 3 Tage nicht empfohlen
    • Anwendung per TCI nicht empfohlen (fehlende Daten)
    • initiale Infusionsrate: 0,1 µg/kg KG/Min. (6 µg/kg KG/Stunde) bis 0,15 µg/kg KG/Min. (9 µg/kg KG/Stunde)
    • Infusionsrate in Schritten von 0,025 µg/kg KG/Min. (1,5 µg/kg KG/Stunde) so anpassen, dass der gewünschte Grad an Analgesie erreicht wird
    • zwischen Dosisanpassungen Zeitraum von mind. 5 Min.
    • Patient sorgfältig überwachen und regelmäßig neu einschätzen und Infusionsrate entsprechend anpassen
    • wenn Infusionsrate von 0,2 µg/kg KG/Min. (12 µg/kg KG/Stunde) erreicht und gewünschte Sedierung nicht erzielt wurden, mit Gabe eines geeigneten Sedativums beginnen (siehe unten)
    • Dosierung des Sedativums so wählen, dass gewünschter Grad der Sedierung erreicht wird
    • weitere Erhöhung der Infusionsrate von Remifentanil in Schritten von 0,025 µg/kg KG/Min. (1,5 µg/kg KG/Stunde) möglich, wenn Verstärkung des analgetischen Effektes erforderlich
    • typische Dosisbereiche zur Erhaltung der Analgesie von individuellen Patienten (Dauerinfusion):
      • 0,006 bis 0,74 µg/kg KG/Min. (0,38 bis 44,4 µg/kg KG/Stunde)
    • Bolusinjektionen nicht empfohlen
    • durch Anwendung von Remifentanil wird benötigte Dosis gleichzeitig verabreichter Sedativa herabgesetzt
    • typische Anfangsdosierungen von Sedativa, soweit diese benötigt werden:
      • Propofol
        • Bolus: bis 0,5 mg/kg KG
        • Infusionsrate: 0,5 mg/kg KG/Stunde
      • Midazolam
        • Bolus: bis 0,03 mg/kg KG
        • Infusionsrate: 0,03 mg/kg KG/Stunde
    • um separate Dosiseinstellung des jeweiligen Wirkstoffes zu ermöglichen, Sedativa nicht als Beimischung verabreichen
    • Verstärkung der Analgesie für künstlich beatmete Patienten, die schmerzhafte Maßnahmen durchlaufen
      • Erhöhung der bestehenden Infusionsrate von Remifentanil evtl. erforderlich z.B. bei endotrachealem Absaugen, Wundversorgung und Physiotherapie
      • Infusionsrate von mind. 0,1 µg/kg KG/Min. (6 µg/kg KG/Stunde) mind. 5 Min. vor Beginn der belastenden Maßnahmen
      • weitere Dosisanpassungen alle 2 bis 5 Min. in Schritten von 25 bis 50% in Erwartung von oder als Reaktion auf einen erhöhten analgetischen Bedarf möglich
      • Einsatz von durchschnittlicher Infusionsrate von 0,25 µg/kg KG/Min. (15 µg/kg KG/Stunde) mit Maximalwerten von 0,75 µg/kg KG/Min. (44,4 µg/kg KG/Stunde) zur Gewährleistung einer ausreichenden zusätzlichen Anästhesie während schmerzhafter Maßnahmen
    • Einleitung einer alternativen analgetischen Behandlung vor dem Absetzen von Remifentanil
      • aufgrund des raschen Wirkungsverlustes von Remifentanil innerhalb von 5 bis 10 Min. nach Absetzen unabhängig von Dauer der Infusion keine Opioid-Wirkung mehr vorhanden
      • nach Verabreichung von Remifentanil mögliche Entwicklung einer Toleranz und einer Hyperalgesie bedenken; daher Patienten vor Absetzen von Remifentanil alternative Analgetika und Sedativa zu einem ausreichend frühen Zeitpunkt verabreichen, um einer Hyperalgesie und gleichzeitigen hämodynamischen Veränderungen vorzubeugen
      • Wahl des(r) Arzneimittel(s), Dosis und Zeitpunkt der Verabreichung bereits vor Absetzen von Remifentanil planen
      • alternative Optionen für Analgesie: lang wirksame oder intravenöse oder lokale Analgetika, die vom Pflegepersonal oder vom Patienten gesteuert werden können
    • evtl. Toleranzentwicklung nach verlängerter Verabreichung von µ-Opioid-Agonisten
    • Richtlinien für Extubieren und Absetzen von Remifentanil
      • um sanftes Erwachen aus Remifentanil-basierter Behandlung sicherzustellen Infusionsrate schrittweise auf 0,1 µg/kg KG/Min. (6 µg/kg KG/Stunde) über Zeitraum von bis zu einer Stunde vor der Extubation herabtitrieren
      • nach Extubation Infusionsrate in mind. 10-minütigen Abständen um jeweils 25% reduzieren, bis Infusion beendet wird
      • während Entwöhnung vom Beatmungsgerät Infusionsrate von Remifentanil nicht erhöhen, sondern nur herabtitrieren, falls nötig können alternative Analgetika als Ergänzung verabreicht werden
      • nach Absetzen von Remifentanil sollte i.v.-Kanüle durchgespült oder entfernt werden, um eine weitere, unbeabsichtigte Verabreichung zu vermeiden
      • bei Verabreichung anderer Opioide im Rahmen der Umstellung auf eine alternative analgetische Behandlung, Patient sorgfältig überwachen; Nutzen einer adäquaten Analgesie immer gegen potentielles Risiko einer Atemdepression abwägen
    • intensivmedizinisch betreute Kinder
      • Anwendung nicht empfohlen (keine Daten vorhanden)
    • intensivmedizinisch betreute Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (auch bei Nierenersatztherapie)
      • Anpassung der empfohlenen Dosierung nicht notwendig
      • allerdings bedenken, dass Clearance des Carboxylsäuremetaboliten reduziert ist

Dosisanpassung

  • Ältere Patienten (> 65 Jahre)
    • Allgemeine Anästhesie
      • Vorsicht geboten
      • Anfangsdosis: Hälfte der empfohlenen Erwachsenendosis (erhöhte Empfindlichkeit für die pharmakodynamischen Effekte von Remifentanil)
      • anschließend Einstellung entsprechend der Bedürfnisse des Patienten
      • Dosisanpassung bezieht sich auf Anwendung während aller Phasen der Anästhesie einschließlich Einleitung, Aufrechterhaltung und unmittelbare postoperative Analgesie
      • bei Anwendung per TCI:
        • aufgrund der erhöhten Empfindlichkeit anfängliche Zielkonzentration von 1,5 bis 4 ng/ml
        • nachfolgend Dosis nach individuellem Ansprechen titrieren
    • Anästhesie in der Herzchirurgie
      • Reduzierung der Anfangsdosis nicht notwendig
    • Intensivmedizin
      • Reduzierung der Anfangsdosis nicht notwendig
  • Adipöse Patienten
    • manuell-kontrollierte Infusion:
      • Dosisreduktion
      • Dosierung auf ideales Körpergewicht beziehen (Clearance und Verteilungsvolumen von Remifentanil korrelieren besser mit dem idealen als mit dem tatsächlichen Körpergewicht)
    • TCI:
      • Bestandteil des Modells nach Minto ist Berechnung des Lean Body Mass (LBM); LBM wird bei Frauen mit Body Mass Index (BMI) > 35 kg/m2 und bei Männern mit BMI > 40 kg/m2 häufig unterbewertet
      • um Unterdosierung zu vermeiden, Remifentanil per TCI vorsichtig entsprechend der individuellen Patientenantwort titrieren
  • Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion
    • Dosisanpassung nicht erforderlich (einschließlich Patienten in der Intensivmedizin)
    • allerdings Clearance des Carboxylsäuremetaboliten bei diesen Patienten reduziert
  • Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion
    • Anpassung der Anfangsdosis nicht erforderlich
    • stark eingeschränkte Leberfunktion
      • Patienten können etwas empfindlicher für atemdepressive Wirkung von Remifentanil sein
      • diese Patienten daher eng überwachen und Remifentanildosis entsprechend der Bedürfnisse des Patienten einstellen
  • Neurochirurgie
    • begrenzte klinische Erfahrungsberichte von Patienten die sich einem neurochirurgischen Eingriff unterzogen, haben gezeigt, dass keine speziellen Dosierungsempfehlungen notwendig sind
  • ASA III/IV-Patienten
    • Allgemeine Anästhesie
      • mit Vorsicht verabreichen (hämodynamische Effekte von potenten Opioiden stärker ausgeprägt)
      • daher verringerte Initialdosis und anschließende Einstellung entsprechend des individuellen Ansprechgrades empfohlen
      • Kinder
        • keine ausreichenden Daten vorhanden
      • bei Anwendung per TCI:
        • anfänglich niedrigere Zielkonzentration von 1,5 bis 4 ng/ml
        • nachfolgend Dosis nach individuellem Ansprechen titrieren
    • Anwendung in der Herzchirurgie
      • Reduzierung der Anfangsdosis nicht notwendig

Indikation

  • Analgetikum während der Einleitung und/oder Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie
  • zur Analgesie von künstlich beatmeten intensivmedizinisch betreuten Patienten ab 18 Jahren

Kontraindikation

Kontraindikation (absolut), Wirkstoffprofil (kumulative Wirkstoffangaben ohne Berücksichtigung des individuellen Zulassungsstatus)

Remifentanil - invasiv
  • Überempfindlichkeit gegen Remifentanil oder andere Fentanylanaloga
  • darf nicht als alleiniges Arzneimittel zur Anästhesie verwendet werden
  • genaue Angaben in der Fachinformation des Präparates beachten

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen, wirkstoffbezogen
keine Berücksichtigung des arzneimittelrechtlichen Zulassungsstatus des Präparates bzw. produktspezifischer Angaben

schwerwiegend

Opioid-Agonisten, reine /Opioid-Agonisten/-Antagonisten
Opioide /MAO-Hemmer

mittelschwer

Morphin /Remifentanil
Opioide /Ethanol
Dexmedetomidin /Opioide
Opioid-Agonisten /Leteremovir
Opioide /H1-Antihistaminika
Opioide /Phenothiazine
Opioide /Benzodiazepine

geringfügig

Rauwolfia-Alkaloide /Allgemeinanästhetika
Allgemeinanästhetika /Baclofen
Methoxyfluran /Opioide
Opioide /Tizanidin
ACE-Hemmer /Allgemeinanästhetika
Cannabinoide /Opioide
Opioide /Antitussiva, opioide

Zusammensetzung

WRemifentanil hydrochlorid5.48 mg
=Remifentanil5 mg
HGlycin+
HSalzsäure 3,6%+

W = Wirksamer Bestandteil
H = Hilfsstoff

Risiken

Risiko Rating
Sedierung B
Rating-Legende:
  1. A) Keine Arzneimittelwirkungen
  2. B) Leichte unerwünschte Arzneimittelwirkungen
  3. C) Mittlere unerwünschte Arzneimittelwirkungen
  4. D) Starke unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Packungsgrößen

Preis und Darreichungsform

Packungsgröße Preis Darreichungsform
5X5 Milligramm 147.45 € Trockensubstanz Ohne Loesungsmittel

Rechtlichter Status und Verfügbarkeit

Packungsg. Verkehrsfähig Vertriebsfähig
5X5 Milligramm verkehrsfähig im Vertrieb

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