Fachinformation

ATC Code / ATC Name Tobramycin
Hersteller INFECTOPHARM Arzn.u.Consilium GmbH
Darreichungsform Injektions-, Infusionsloesung
Verkehrsfähig / Vertriebsfähig keine Angabe / keine Angabe
Preis 10 Stück: 113.51€ Weitere Packungsgrößen

Dosierung

  • Die Applikation kann als intramuskuläre Injektion oder als intravenöse Kurzinfusion erfolgen. Als Anfangsdosis werden unabhängig von der Nierenfunktion 1,5 - 2,0 mg Tobramycin/kg Körpergewicht empfohlen.
  • Erwachsene mit normaler Nierenfunktion bekommen als Erhaltungsdosis 1 - 2 mg Tobramycin/kg alle 8 Stunden (Gesamtdosis 3 - 6 mg Tobramycin/kg), Säuglinge nach dem ersten Lebensmonat 1,5 - 2,5 mg Tobramycin/kg alle 8 Stunden (Gesamtdosis 4,5 - 7,5 mg Tobramycin/kg). Nur bei Neugeborenen sollte aufgrund der längeren Halbwertszeit das Dosisintervall bei einer Einzeldosis von 2,5 mg Tobramycin/kg auf 12 Stunden verlängert werden.
  • Eine Einmaldosierung ist möglich. Bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen erhalten Erwachsene mit normaler Nierenleistung 2 - 3 mg Tobramycin/kg KG am Tag als Einzeldosis i.m. injiziert.
  • Empfehlungen zur Dosierung und Therapieüberwachung von Tobramycin
    • Dosierung Erwachsene
      • Initialdosis: 120 mg Tobramycin (1,5 - 2 mg Tobramycin/kg)
      • Infusionsdauer: 30 - 60 min
      • Erhaltungsdosis: 3 - 6 mg Tobramycin/kg pro Tag
      • Dosierungsintervall: Die Dosierungsintervalle können der individuellen Halbwertszeit angepasst werden. Auf der Basis des Quotienten (epsilon) des Dosierungsintervalls und der errechneten Halbwertszeit kann dann u. a. die Ermittlung des zugehörigen Kumulationsfaktors z. B. aus entsprechenden Tabellenwerken erfolgen. Die Berechnung der Halbwertszeit erfolgt aufgrund der gemessenen Konzentrationen (Spitzen- und Talspiegel; C1 bzw. C2) entweder graphisch oder rechnerisch (siehe Beispiel)
        • Beispiel: Berechnung der Halbwertszeit
          • t1/2 = ln 2 × (t2 - t1) / ln (C1/C2) = 0,693 × 7 / ln (7/1) = 4,85 / 1,95 = 2,5 Std.
      • Blutentnahmen: Sie erfolgen am Ende eines Dosierungsintervalls (Talspiegel) und unmittelbar nach Ende der Infusion (Spitzenspiegel). Überhöhte Talspiegel (größer als 2 mg Tobramycin/l) weisen auf eine Akkumulation hin (Nephrotoxizität!), Dosierungsintervall verlängern oder eventuell Dosis reduzieren.
    • Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion
      • Tobramycin wird hauptsächlich durch glomeruläre Filtration ausgeschieden. Demnach muss die Dosierung bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion entsprechend angepasst werden.
      • Für die Dosierungsanpassung gibt es zwei Möglichkeiten: A. Verlängerung der Dosisintervalle bei gleichbleibender Dosis (Folgedosen identisch mit Initialdosis); B. Verringerung der Dosis bei gleichbleibenden Dosisintervallen (Folgedosen kleiner als Initialdosis).
      • A. Verlängerung der Dosisintervalle bei gleichbleibender Dosis
        • Die Abschätzung der individuellen Dosisintervalle (in Stunden) kann mit Hilfe folgender Gleichungen erfolgen:
          • Tind = TN (t1/2 ind / t1/2 N)
        • oder
          • Tind = TN (Cltobra (N) / Cltobra (ind))
        • Da die Tobramycin-Clearance direkt proportional der Kreatinin-Clearance ist, lässt sich auch folgende Näherungsgleichung anwenden:
          • Tind = TN (ClCr (N) / ClCr (ind))
        • Tind = individuelles Dosierungsintervall (h);
        • TN = normales Dosierungsintervall (meist 8 h);
        • t1/2 N = Halbwertszeit des Tobramycins beim Nierengesunden (ca. 2 - 3 h);
        • t1/2 ind = Halbwertszeit des Tobramycins bei eingeschränkter Nierenfunktion (Bestimmung der Halbwertszeiten siehe oben);
        • Cltobra = Tobramycin-Clearance;
        • ClCr = Kreatinin-Clearance
        • Beispiel: Bei einer Kreatinin-Clearance von 30 ml/min wäre das Applikationsintervall bei gleichbleibender Dosis:
          • Tind = 8 × 100 / 30 (h) = 26 Std.
          • bei Zugrundelegung einer ClCr (N) von 100 ml/min
      • B. Verringerung der Dosis bei gleichbleibenden Dosisintervallen
        • Da Tobramycin fast ausschließlich renal ausgeschieden wird, können die Folgedosen bei stark eingeschränkter Nierenfunktion nach folgender Formel abgeschätzt werden:
          • D* = ClCr* / ClCr (normal) × DN
        • ClCr* = Kreatinin-Clearance bei eingeschränkter Nierenfunktion;
        • DN = Normaldosis;
        • D* = Folgedosis bei eingeschränkter Nierenfunktion.
        • Folgende Tabelle gibt einen Anhaltspunkt zur Verringerung der Dosis bei gleichbleibenden Dosisintervallen (8-stündiges Dosisintervall).
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): < 1,0; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): > 100
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 100
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 1,1 - 1,3; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): 71 - 100
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 80
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 1,4 - 1,6; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): 56 - 70
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 65
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 1,7 - 1,9; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): 46 - 55
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 55
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 2,0 - 2,2; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): 41 - 45
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 50
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 2,3 - 2,5; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): 36 - 40
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 40
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 2,6 - 3,0; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): 31 - 35
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 35
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 3,1 - 3,5; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): 26 - 30
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 30
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 3,6 - 4,0; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): 21 - 25
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 25
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 4,1 - 5,1; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): 16 - 20
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 20
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 5,2 - 6,6; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): 11 - 15
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 15
          • Serum-Kreatinin (mg/100 ml): 6,7 - 8,0; Kreatinin-Clearance (ml/min/1,73 m2): < 10
            • Folgedosen (Prozent der Initialdosis): 10
        • Dabei muss beachtet werden, dass sich die Nierenfunktion im Laufe der Behandlung ändern kann.
        • Die Kreatinin-Clearance sollte als Parameter vor allem bei Patienten mit schwankenden Plasma-Kreatinin-Konzentrationen bevorzugt werden, wie dies bei schweren Infektionen (z. B. Sepsis) beobachtet wird.
        • Wenn nur die Serum-Kreatinin-Werte bekannt sind, kann die Kreatinin-Clearance nach folgenden Formeln abgeschätzt werden:
          • Männer:
            • ClCr = Körpergewicht (kg) × (140 minus Lebensjahre) / 72 × Serum-Kreatinin (mg/100 ml)
          • bzw. Männer:
            • ClCr = Körpergewicht (kg) × (140 minus Lebensjahre) / 0,814 × Serum-Kreatinin (µmol/l)
          • Frauen: 0,85 × dem obigen Wert
        • Wenn die Serum-Kreatinin-Werte zur Beurteilung der Nierenfunktion herangezogen werden, sollten diese Befunde mehrfach erhoben werden, da nur bei gleichbleibend eingeschränkter Nierenfunktion eine Korrelation zu den Kreatinin-Clearance-Werten besteht.
    • Dosierung bei Hämodialysepatienten
      • Bei einer Kreatinin-Clearance unter 5 ml/min ist die Hämodialyse angezeigt. Tobramycin ist dialysierbar. Bei einer 4 - 5-stündigen Hämodialyse muss mit 50 - 60%, bei einer 8 - 12-stündigen Hämodialyse mit 70 - 80% Konzentrationsminderung gerechnet werden. Nach jeder Dialyseperiode muss individuell nachdosiert werden, ausgehend von den aktuellen Tobramycin-Serumkonzentrationen. Normalerweise beträgt die empfohlene Dosis nach der Dialyse 1 - 1,7 mg/kg Körpergewicht. Da Hämodialyse-Patienten gewöhnlich unter Antikoagulanzien stehen, darf hier wegen der Gefahr der Hämatombildung nicht intramuskulär injiziert werden.
    • Dosierung bei übergewichtigen Patienten
      • Da Tobramycin nur zu einem sehr geringen Anteil ins Fettgewebe aufgenommen wird, ist bei übergewichtigen Patienten eine Dosisanpassung notwendig. Die angemessene Dosis lässt sich errechnen, indem man zum geschätzten Normalgewicht des Patienten 40% seines Übergewichts addiert.
      • Die Summe gilt dann als Basis für die mg/kg-Berechnung.
  • Dauer der Anwendung
    • Bei üblichen bakteriellen Infektionserkrankungen richtet sich die Behandlungsdauer nach dem Verlauf der Erkrankung. Normalerweise ist eine Behandlungsdauer von 7 - 14 Tagen ausreichend.
    • Die Dauer der Therapie sollte 14 Tage möglichst nicht überschreiten

Indikation

  • Zur Behandlung von schweren Infektionen, die durch Tobramycin-empfindliche Erreger verursacht sind.
  • Grundsätzliche Indikationen für Aminoglykoside sind Infektionen durch Erreger, die gegenüber anderen, weniger toxischen Arzneimitteln resistent sind sowie schwere Infektionen mit gramnegativen Erregern, im Krankenhaus erworbene Infektionen sowie Infektionen bei abwehrgeschwächten und neutropenischen Patienten.
  • Unter diesen Voraussetzungen kann TOBRAZID® angewendet werden bei:
    • Infektionen der Harnwege
    • nosokomialen Pneumonien (da Pneumonien im ambulanten Bereich überwiegend durch Pneumokokken verursacht werden, ist Tobramycin in diesen Fällen nicht das Mittel der ersten Wahl)
    • intraabdominellen Infektionen
    • nosokomialer Sepsis
    • Endokarditis
    • Meningitis durch gramnegative Erreger
    • Osteomyelitis und eitriger Arthritis
    • Infektionen oder drohender Infektionsgefahr bei abwehrgeschwächten Patienten
  • Die üblichen und allgemein anerkannten Richtlinien für den angemessenen Gebrauch von Antibiotika sind bei der Anwendung von TOBRAZID® zu beachten.
  • Hinweis:
    • Im Sinne einer kalkulierten Chemotherapie ist eine Kombinationsbehandlung vorwiegend zusammen mit einem Betalaktam-Antibiotikum oder mit einem gegen anaerobe Bakterien wirksamen Antibiotikum bei lebensbedrohlichen Infektionen durch einen zunächst noch unbekannten Erreger, bei gemischten anaeroben/aeroben Infektionen, bei bakterieller Endokarditis, bei systemischen Pseudomonas-Infektionen sowie bei abwehrgeschwächten, vorwiegend neutropenischen Patienten angezeigt. Beide Antibiotika können in empfohlener Dosierung gegeben werden, je nach Schwere der Infektion und dem Zustand des Patienten.
    • Die Nierenfunktion ist sorgfältig zu überwachen, besonders, wenn die Antibiotika in höheren Dosen gegeben werden. Sobald Ergebnisse der Kulturen und Resistenzprüfungen vorliegen, ist die antibiotische Behandlung entsprechend anzupassen.

Kontraindikation

Kontraindikation (absolut), Wirkstoffprofil (kumulative Wirkstoffangaben ohne Berücksichtigung des individuellen Zulassungsstatus)

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Aminoglykoside oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Bronchialasthmatiker mit Sulfit-Überempfindlichkeit

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen, wirkstoffbezogen
keine Berücksichtigung des arzneimittelrechtlichen Zulassungsstatus des Präparates bzw. produktspezifischer Angaben

schwerwiegend

Aminoglykosid-Antibiotika /Amphotericin B
Cidofovir /Stoffe mit potenziell nephrotoxischen UAW
Aminoglykosid-Antibiotika /Ataluren
Aminoglykosid-Antibiotika /Immunsuppressiva
Aminoglykosid-Antibiotika /Platin-Verbindungen

mittelschwer

Telbivudin /Stoffe mit potenziell nephrotoxischen UAW
Aminoglykosid-Antibiotika /Cephalosporine
Aminoglykosid-Antibiotika /Penicilline
Muskelrelaxanzien, nicht-depolarisierende /Aminoglykosid-Antibiotika
Tenofovir /Stoffe mit potenziell nephrotoxischen UAW
Aminoglykosid-Antibiotika /Amifampridin
Suxamethonium /Aminoglykosid-Antibiotika
Daptomycin /Tobramycin
Aminoglykosid-Antibiotika /Antirheumatika, nicht-steroidale
Methoxyfluran /Aminoglykosid-Antibiotika
Aminoglykosid-Antibiotika /Schleifendiuretika
Polypeptid-Antibiotika /Aminoglykosid-Antibiotika
Clofarabin /Stoffe mit potenziell nephrotoxischen UAW

geringfügig

Antibiotika /Acetylcystein
Aminoglykosid-Antibiotika /Aprotinin
Aminoglykosid-Antibiotika /Enfluran
Aminoglykosid-Antibiotika /Vancomycin
Zoledronsäure /Stoffe mit potenziell nephrotoxischen UAW
Dimethylfumarat /Stoffe mit potenziell nephrotoxischen UAW
Bisphosphonate /Aminoglykosid-Antibiotika

unbedeutend

Aminoglykosid-Antibiotika /Cholinesterase-Hemmer
Botulinum-Toxin /Aminoglykosid-Antibiotika

Zusammensetzung

WTobramycin 2,5-sulfat121.96 mg
=Tobramycin80 mg
HDinatrium edetat 2-Wasser+
HNatrium disulfit+
HSchwefelsäure+
HWasser, für Injektionszwecke+

W = Wirksamer Bestandteil
H = Hilfsstoff

Packungsgrößen

Preis und Darreichungsform

Packungsgröße Preis Darreichungsform
10 Stück 113.51 € Injektions-, Infusionsloesung

Rechtlichter Status und Verfügbarkeit

Packungsg. Verkehrsfähig Vertriebsfähig
10 Stück verkehrsfähig außer Vertrieb

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